KA 3 "schwer auf Draht"

 

 

 

 

Eine fast unglaubliche Landung gelang Ende der 50er Jahre dem Pilot einer Ka3. Diesen Vorfall möchte ich hier berichten. 

 

Es geschah am 31. August 1957 auf dem Flugplatz Egelsbach an der Bahnstrecke Frankfurt- Langen- Darmstadt. Zu dieser Zeit war dort Segelflug noch problemlos möglich. Keine Höhenbeschränkung oder gar Kontrollzone des Rhein- Main- Flughafens schränkte uns ein. Ich habe Thermikflüge von dort aus mit Höhen bis über 2000 Meter direkt über der Frankfurter Innenstadt durchgeführt. Für Flieger, die diesen Platz und den Luftraum dort nur aus der heutigen Zeit kennen, sicher kaum vorstellbar. Jetzt zu dem Ereignis. Die Landebahn in der Richtung „27“ des dortigen Flugplatzes beginnt im rechten Winkel zur Bahnstrecke Langen- Darmstadt fast unmittelbar hinter den Gleisen. Die elektrische Fahrleitung der Bahnstrecke war zu diesem Zeitpunkt neu und glücklicher Weise noch ohne Strom. Eine Ka 3 befand sich im Queranflug zur 27, also parallel zur Bahnstrecke. Offensichtlich hatte der Pilot die Gleitfähigkeit seiner Ka 3 überschätzt oder aber die erst vor kurzem errichtete Fahrleitung war ihm nicht mehr bewusst. Jedenfalls bemerkte er wohl, dass er die 90 Grad Kurve in den Endanflug nicht mehr schaffen würde und so setzt er sie geistesgegenwärtig sanft und gezielt auf die Drähte der Fahrleitung. Im Grunde eine fliegerische Meisterleistung. Hätte er im letzten Moment noch versucht mit der offensichtlich bereits viel zu tiefen Maschine die Kurve in den Endanflug einzuleiten, wäre der Ausgang sicher verhängnisvoller gewesen. Ich war bei dem Vorfall damals Augenzeuge. Es war wirklich nichts Ernsthaftes passiert. Der Pilot, soweit ich mich erinnere, ein Fluganfänger, wurde erst mal von der örtlichen Feuerwehr geborgen. Die weitere Bergung des Flugzeugs nahm dann aber wohl so viel Zeit in Anspruch, dass die DB doch zumindest einen Zug, wie zu sehen ist, vorsichtig passieren ließ. Zum Schluss hier noch eine technische Info, damit wird der Vorgang vielleicht noch etwas besser vorstellbar. Das Flugzeug, das auch wieder instand gesetzt wurde, ist eine „Alexander Schleicher, Ka 3“ aus der damaligen Zeit. Sie hat ein Gewicht mit Pilot von ca. 190 kg und die Aufsetzgeschwindigkeit beträgt ca. 60 km/h. Es ist faszinierend zu sehen, dass es dem Pilot gelang, den Flieger genau mittig auf die Drähte zu setzen und auch genau zwischen 2 folgende Mastpaare. Wenn er ein Mastpaar erwischt hätte, wären bestimmt die Flügel weggebrochen. Oder er hat einfach nur „saumäßig“ Glück gehabt. 

Nachtrag

In einem Internetforum zu dem Thema historische Eisenbahn hat dieser Tage (Februar 2025) ein Forumsmitglied einen Bilderbeitrag eingestellt der diesen Vorfall zum Thema hat. Dabei stellt sich heraus das der Fotograf dieser Bilder, Gunter Petzoldt, damals 24 Jahre alt in einem der Züge saß die offensichtlich die Stelle vorsichtig passierten wie auf den Bildern von Karl Gnewikow unter dem auf dem Fahrdraht liegenden Flugzeug zu sehen ist. 

Dieser Gunter Petzoldt, der zu dieser Zeit ein begeisterter Eisenbahnfotograf war hat diese kuriose Situation unverzüglich aus der Sicht eines Zugpassagiers auf seinen Bildern festgehalten.

Das Eisenbahnforumsmitglied der diesen Beitrag erstellte hat die Rechte an den Bildern aus dem Archiv der Eisenbahnfreunde Lette e.V. und erlaubt mir sie  als Ergänzung an den Bericht von Karl anzuhängen.

Schade das Karl diese Bilder über die Sicht aus dem Inneren des Zuges leider nicht mehr sehen kann. Aber auch für mich, dem Sohn von Karl der ja als Siebenjähriger damals ebenfalls Zeuge des Vorfalls war sind diese "Ergänzungsbilder" von großer Bedeutung.

 Bild 1)

 

 Bild 2)











 

 

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